WORLD DISCOVERER
ex BEWA DISCOVERER / IMO 7349053
Baujahr 1975; auf Grund gelaufen 2000
Einsatz auf dem deutschsprachigen Markt:
1987 - 2000 Discoverer Reederei / Society Expeditions
Von Aah-Yeah - MS World Discoverer
, CC BY 2.0
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Historie
Der dänische Reiseveranstalter BEWA Cruises beauftragte die in Bremerhaven ansässige Werft Schichau Unterweser AG mit der Konzeption und dem Bau eines Kreuzfahrtschiffes, welches insbesondere für Expeditionskreuzfahrten vorgesehen war und den Namen BEWA DISCOVERER erhalten sollte.
Bislang gab es weltweit nur ein einziges Expeditions-Kreuzfahrtschiff dieser Art, die LINDBLAD EXPLORER (Baujahr 1969; IMO 6924959; die spätere SOCIETY EXPLORER und EXPLORER) des Pioniers dieses Kreuzfahrtsegmentes, Lindblad Expeditions.
Um in Polarregionen vordringen zu können sollte das neue Schiff über eine eisverstärkte Doppelrumpfwand verfügen und die Eisklasse 1A nach dem Lloyd´s Register erhalten. Für Anlandungen in Regionen ohne jegliche Infrastruktur wurde das Schiff neben den obligatorischen Tenderbotten auch mit 10 Zodiacs ausgestattet. Die Bunkerkapazität für Treibstoff und Frischwasser sollte eine Einsatzreichweite von 8.100 Nautischen Meilen (ca. 15.000km) ermöglichen.
Bei einer Länge von 87,51m und einer Breite von 15,12m wurde eine Vermessung von 3.725 BRZ errechnet. Ausgelegt war das Schiff somit für 134 Passagiere und 75 Besatzungsmitglieder. Den Passagieren standen 67 Außenkabinen und 5 Suiten zur Verfügung.
Die Schichau Unterweser AG vergab die Baunummer 2250. Der Stapellauf erfolgte am 08.12.1973. Die offizielle Übergabe an der Veranstalter BEWA Cruises erfolgte am 19.10.1975. Die internationale Registernummer lautete IMO 7349053.
Noch vor der Indienststellung bei BEWA Cruises wurde das Schiff kurzzeitig in LOWELL THOMAS DISCOVERER umbenannt und zunächst kurzzeitig für Reisen auf dem kanadischen St. Lorenzstrom und auf den Großen Seen in Nordamerika eingesetzt.
Im Jahr 1976 verkaufte BEWA Cruises das Schiff an den US-amerikanischen Eigner und Veranstalter Adventure Cruises. Das Schiff sollte auf dem amerikanischen Markt von Adventure Cruises und auf dem europäischen Markt von Society Expeditions vermarktet werden. Deshalb erfolgte noch im Jahr 1976 die Umbenennung in WORLD DISCOVERER. Das Schiff erhielt zu diesem Anlass die Flagge Singapurs.
Der erste Kapitän der WORLD DISCOVERER wurde Raimund Krüger, der dann aber ab dem Jahr 1980 den Bau der MS ASTOR (I) leitete. Von 1980 bis 1990 übernahm Kapitän Heinz Aye das Kommando.
Beide Kapitäne wurden seinerzeit und in den Folgejahren nahezu legendär. Raimund Krüger hatte zuvor das Kommando auf der EXPLORER und später auf der MS ASTOR (1) und MS VISTAMAR. Auch Heinz Aye war zuvor Kapitän auf der EXPLORER, wechselte dann aber später auf die SOCIETY EXPLORER, FRONTIER SPIRIT, HANSEATIC und BREMEN. Nach dem Eintritt in seinen offiziellen Ruhestand fungierte er aber aufgrund seiner Erfahrung (er war von 1977 bis zum Oktober 2001 als Kapitän im Dienst) noch jahrelang als sogenannter „Icemaster“ und war somit noch beratend auf den Brücken diverse Expeditionsschiffe tätig.
Im Jahr 1985 bewältigte die WORLD DISCOVERER als erstes Passagierschiff die Nordwestpassage von West nach Ost. Diese Reise führte unter dem Kommando von Kapitän Heinz Aye in 32 Tagen von dem im US-amerikanischen Alaska befindlichen Nome nach Halifax im kanadischen Nova Scotia.
Im Jahr 1987 wurde Society Expeditions von der in Bremen ansässigen Discoverer Reederei übernommen. Society Expeditions vermarktete das Schiff weiterhin auf dem englischsprachigen Markt, während die Discoverer Reederei die Vermarktung auf dem deutschsprachigen Markt übernahm.
Im Jahr 1990 wurde die WORLD DISCOVERER nach Liberia mit Heimathafen Monrovia ausgeflaggt.
Am 30.04.2000 um 05:00 UTC lief die WORLD DISCOVERER mit 192 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord in der Sandfly-Passage nördlich von Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, auf das damals unkartierte Mid-Reef (Position ♁9° 0′ 0″ S, 160° 7′ 12″ O) und schlitzte sich die Steuerbordseite auf.
Kapitän Oliver Krüss setzte ein Notsignal ab, das in Honiara empfangen wurde. Eine Passagierfähre kam zur Rettung und konnte alle Passagiere unversehrt in Sicherheit bringen. Nachdem das Schiff mittlerweile 20 Grad Schlagseite hatte, brachte der Kapitän es in die 1,4 Seemeilen weiter südlich liegende Roderick Dhu Bay, und setzte es dort kontrolliert auf Grund.
Nach einer Untersuchung des Rumpfes durch Taucher und Beurteilung der Versicherung wurde die WORLD DISCOVERER als Totalschaden abgeschrieben. Dennoch beabsichtigte der Eigner zunächst eine Bergung des Schiffes. Eine australische Bergungsfirma brach bereits begonnene Bergungsversuche ab. Das gestrandete Wrack war von Einheimischen und anderen Fraktionen der im Bürgerkrieg befindlichen Salomonen geplündert und hierbei weiter beschädigt worden.
Das Wrack liegt weiterhin mit etwa 46° Schlagseite vor der Insel auf Position ♁9° 1′ 23,1″ S, 160° 7′ 23,2″ O. Die Gezeiten beschädigen das Schiff weiter. Es rostet an der Oberfläche, Im Jahr 2000 wurde erneut versucht, das Schiff zu bergen. Der Versuch wurde abgebrochen, nachdem es zu einem Schusswechsel mit einem örtlichen Stamm kam.
Trivia
Nach dem Verlust des Schiffes wurde im Jahre 2002 die ehemalige
DREAM 21 (Baujahr 1989; IMO 8806747; ex DELFIN CLIPPER, ex SALLY CLIPPER, ex BALTIC CLIPPER, ex DELFIN STAR) als neue
WORLD DISCOVERER in Dienst gestellt. 2004 wurde das Schiff von Kreditgebern beschlagnahmt.
Society Expeditions war insolvent und wurde liquidiert. Diese
WORLD DISCOVERER fuhr daraufhin später als WOLD ADVENTURER, PRINCE ALBERT II, von 2011 bis 2023 als SILVER EXPLORER und heutzutage als EXPLORIS ONE.
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