EXPLORER
ex LINDBLAD EXPLORER, ex SOCIETY EXPLORER / IMO 6924959
Indienststellung 1969; gesunken 2007
Einsatz auf dem deutschsprachigen Markt:
1985 - 2004 Discoverer Reederei / Society Expeditions
Von Constantine
- Eigenes Werk
, CC BY-SA 4.0
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Historie
Der schwedisch-amerikanische Unternehmer und Visionär Lars-Eric Lindblad (1927 in Schweden geboren und 1957 in die USA ausgewandert) organisierte und leitete mit seinem Unternehmen Lindblad Travel aus Westport im US-amerikanischen Connecticut Reisen in die entlegensten und exotischsten Regionen der Welt. Im Jahr 1966 organisierte und leitete er erstmals überhaupt eine touristische Expedition in die entlegene und unzureichend erschlossene Antarktis. Dafür charterte er eigens ein Militärschiff der argentinischen Marine. Bislang fanden Expeditionsreisen nahezu ausschließlich für wissenschaftliche Forschungszwecke statt. Lars-Eric Lindblad erkannte das touristische Potential einer solchen Reiseform - wurde dafür aber in der Tourismusbranche anfänglich belächelt. Die erste „Expedition“ verlief so erfolgreich, dass der Gedanke, als Pionier in diesem Segment ein eigens auf den touristischen Zweck ausgelegtes Expeditionsschiff zu betreiben, reifte.
Und so beauftragte er das dänische Schiffsarchitektenbüro Knud E. Hansen ein solches Schiff zu entwerfen. Zur Realisierung dieses Projektes wurde die im finnischen Nystad befindliche Werft Nystads Varv beauftragt. Das Neubauprojekt erhielt den passenden Namen LINDBLAD EXPLORER.
Das Schiff sollte 72,88m lang und 14,0m breit werden. Dabei wurde eine Vermessung von 2.346 BRZ errechnet. In 50 Passagierkabinen konnten bis zu 118 Passagiere beherbergt werden, welche von ca. 71 Besatzungsmitgliedern umsorgt wurden. Die Bunkerkapazität für Treibstoff, Wasser und Proviant erlaubte eine maximale Reichweite von 5.300 Nautischen Meilen (ca. 9.800km). Für Anlandungen in Regionen ohne jegliche Infrastruktur waren erstmals überhaupt Zodiacs an Bord eines Kreuzfahrtschiffes vorgesehen.
Die Nystads Varv vergab die Baunummer 260. Der Stapellauf des Schiffes erfolgte am 12.12.1969. Das Schiff wurde an den Eigner K/S A/S Explorer & Co. im norwegischen Oslo übergeben und fuhr zunächst unter der Flagge Norwegens. Der erste Kapitän war der Schwede Hasse Nilsson, später folgte Kapitän Leif Skog.
Im Jahr 1970 war die LINDBLAD EXPLORER somit das erste speziell für solche Reisen konzipierte Kreuzfahrtschiff, welches die Antarktis befuhr.
Das Schiff wurde aufgrund des rot lackierten Rumpfes und der Schornsteinspitze liebevoll „The little red ship“ genannt und erlangte mit diesem Namen schnell einen weltweiten Ruf.
Im Juni 1972 erwarb die Svenska America Linien bzw. Swedish American Line (kurz SAL) über ihre in Panama ansässige Tochtergesellschaft United Cruising Co. Ltd. das Expeditionskreuzfahrtschiff. Im Gegensatz zu anderen Passagierschiffen der SAL (unter anderem die damalige KUNGSHOLM (Baujahr 1966; IMO 6512354) wurde die LINDBLAD EXPLORER aber nun in Panama und nicht in Schweden registriert
Im Jahr 1973 stellte die LINDBLAD EXPLORER zwei weitere Rekorde (Erstanläufe) auf. So war sie in diesem Jahr das erste Kreuzfahrtschiff, welches die Antarktis auf dem Weg von Neuseeland nach Argentinien halb umrundete und nur noch 750 Nautische Meilen vom Südpol entfernt war. Im gleichen Jahr war sie ebenfalls das erste Kreuzfahrtschiff, welches den Amazonas von der Mündung in Brasilien bis nach Iquitos in Peru befuhr.
Im Jahr 1980 verkaufte die SAL die LINDBLAD EXPLORER an die Lindblad Swire Cruise Ltd. aus Panama.
Bereits im Jahr 1982 wurde das Schiff dann an die Salénia AB im schwedischen Stockholm weiterverkauft.
Im Jahr 1983 erfolgte schließlich eine weitere Veräußerung an die Ferry Services Curaçao NV in Willemstad auf der niederländischen Antilleninsel Curaçao.
Im Jahr 1984 gab es wieder einen neuen Rekord (Erstanlauf) im Logbuch einzutragen. Die LINDBLAD EXPLORER befuhr als erstes Kreuzfahrtschiff die Nordwestpassage von Ost nach West.
Im Jahr 1985 übernahm schließlich die in Bremen ansässige Discoverer Reederei GmbH, die schon das Expeditions-Kreuzfahrtschiff WORLD DISCOVERER (Baujahr 1975; IMO 7349053) einsetzte, das Schiff. Die Discoverer Reederei GmbH betrieb somit nun die beiden weltweit einzigen Expeditionskreuzfahrtschiffe. Eigner des Schiffes wurde die Vienna International Shipping Corp. aus Nassau auf den Bahamas. Die LINDBLAD EXPLORER wurde nun an Society Expeditions verchartert und in SOCIETY EXPLORER umbenannt.
Kapitäne des Schiffes wurden die deutschen Kapitäne Ulli Demel, Raimund Krüger und Heinz Aye, die auch schon auf der WORLD DISCOVERER fuhren und äußerst Expeditions-erfahren waren. Gerade die beiden letztgenannten Kapitäne wurden seinerzeit und in den Folgejahren nahezu legendär. Raimund Krüger hatte später das Kommando auf der MS ASTOR (I), deren Planung und Bau er auch schon zuvor in der Werft begleitete. Später begleitete er auch die Planung und den Bau der MS VISTAMAR, deren Kapitän er danach wurde. Heinz Aye übernahm später als Kapitän das Kommando der FRONTIER SPIRIT, HANSEATIC und BREMEN. Nach dem Eintritt in seinen offiziellen Ruhestand fungierte er aufgrund seiner Erfahrung (er war von 1977 bis zum Oktober 2001 als Kapitän im Dienst) noch jahrelang als sogenannter „Icemaster“ und war somit noch beratend auf den Brücken diverse Expeditionsschiffe tätig.
Im Jahr 1987 übernahm die Discoverer Reederei GmbH schließlich die Society Expeditions und deren Sitz wurde in Folge ebenfalls nach Bremen verlegt. Veranstalter und Reederei waren nun unter einem Dach vereint, was sowohl operative als aber auch finanzielle Vorteile mit sich brachte.
Im Jahr 1988 erfolgte ein weitere spektakulärer Erstanlauf des Schiffes. Der sibirische Ort Prowidenija wurde erfolgreich angelaufen.
Im Oktober 1989 erfolgte ein neuer Flaggenwechsel. Neuer Heimathafen war nun Monrovia in Liberia.
1992 wurde die SOCIETY EXPLORER an die Explorer Shipping im liberianischen Monrovia verkauft und in EXPLORER umbenannt.
Im Jahr 2004 übernahm die GAP Adventures aus dem kanadischen Toronto die EXPLORER.
Am 23.11.2007, die EXPLORER befand sich auf der Fahrt vom argentinischen Ushuaia in die Antarktis, kollidierte das Schiff um 05:24 UTC etwa 26 Nautische Meilen östlich der zu den südlichen Süd-Shetlandinseln gehörenden King George Insel auf den Koordinaten 62° 23′ 32´S und 57° 16′ 09´´ W mit einem Eisberg. Dabei wurde der Rumpf schwer beschädigt und es begann Wasser in das Schiff einzudringen.
91 Passagiere, 9 Expeditionsleiter/Lektoren und 52 Besatzungsmitglieder wurden daraufhin auf die in der Nähe befindliche NORDNORGE der norwegischen Hurtigruten AS evakuiert und zunächst zur chilenischen Antarktisstation Presidente Eduardo Frei Montalva auf der King George Insel gebracht, von wo aus sie dann per Militärflugzeug ins chilenische Punta Arenas ausgeflogen wurden.
Noch am selben Tag gegen 19:00 UTC begann die EXPLORER schließlich bis auf eine Tiefe von ca. 1.100m zu sinken. Im Januar 2008 wurde das Wrack des Schiffes durch ein britisches Forschungsschiff am Nordwest-Ende der Bransfieldstraße auf der Position 62° 24′ 18″ S und 57° 11′ 46″ W (und damit rund vier Kilometer von der Stelle des Untergangs entfernt!) in einer Tiefe von 1.130 m lokalisiert.
Kein Expeditions-Kreuzfahrtschiff kann so viele Erstanlandungen in seinen Logbüchern aufzählen wie „The little red ship“ in seinen 38 Dienstjahren. Das Schiff führte ca. 200 erfolgreiche Antarktisreisen mit ca.16.000 Gästen an Bord durch.
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