Samstag, 22.11.2025


Kapstadt / Südafrika


Individuelles Nachprogramm Tag 2


Nach einer wundervollen erholsamen Nacht im äußerst bequemen Bett direkt unter dem Reetdach startet der Tag mit einem Blick aus der Terrassentür über die Rebstöcke. Es war kein Traum - wir befinden uns immer noch im Paradies! Heute wird wieder ein wundervoller Tag. Wir bereiten uns eine Tasse Kaffee und setzen uns auf die Bistro-Stühle unserer Terrasse. Wundervoll dieses Farbspiel zwischen grünem Rasen, grünen Rebstöcken, braunen Bergen und blauem Himmel!


Zum Frühstück begeben wir uns wieder auf die wunderschön gelegene Terrasse des Restaurants. Von hier aus können wir die Eichhörnchen beim Rumtollen und Klettern beobachten und haben einen schönen Blick durch die parkähnliche Anlage auf das Gebirge. Neben dem reichhaltigen Buffet, welches an verschiedenen Stationen auf der Terrasse aufgebaut ist, werden auch in der Küche frisch zubereitete Eierspeisen am Platz serviert. In guter Erinnerung an das Frühstück der vergangenen Tage an Bord der MS EUROPA bestellen wir heute nochmals ein köstliches Egg Benedict

Nach dem gemütlichen Start in den Tag fahren wir wieder nach Kapstadt und steuern zunächst erneut die V&A Waterfront an. An der Yachtpier liegt die stolze AL MIRQAB. Sie gehört Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani, dem ehemaligen Premierminister von Katar. Das Schiff ist 133m lang, 20m breit, hat einen maximalen Tiefgang von 4,90m und dabei eine Vermessung von etwa 5.000 GT. Wer hat, der kann! Wir -als "Normalsterbliche"- waren schon auf kleineren Kreuzfahrtschiffen mit deutlich mehr Seelen an Bord unterwegs! Die internationale Registernummer lautet IMO 1009223. Bis zu 60 Besatzungsmitglieder können sich um das Wohl von bis zu 60 Gästen kümmern. Gebaut wurde die Yacht auf der Werft Peters Schiffbau im schleswig-holsteinischen Wewelsfleth. Die Auftragserteilung erfolgte im Jahr 2004, die Ablieferung im Jahr 2008.

Die sich auf den Stegen sonnenden Seelöwen interessieren sich weniger für die Yacht. Nach dem gestrigen ersten Eindrücken von der V&A Waterfront wollen wir heute dieses Areal genauer erkunden und dann auch noch einen Spaziergang zur gut 30-Minuten entfernten Cape Town Station, dem zentralen Bahnhof von Kapstadt, im eigentlichen Stadtzentrum, dem Cape Town City Centre, unternehmen. Auf dem Weg dorthin passieren wir einige historische Gebäude.

 

Eher unscheinbar und nüchtern wirkt das Jetty One. Dieses Gebäude, welches optisch eher einer Lagerhalle gleicht, stand seit 1962 unter der Kontrolle des Gefängnisdienstes. Es diente während der Apartheid der Abfertigung der politisch Gefangenen für ihren Transport nach und von Robben Island. Als die politischen Gefangenen 1990 freigelassen wurden, war dies ihr Tor zur Freiheit.


Dann erreichen wir das hellblaue historische Union-Castle Building (UCB). Es wurde 1918 von den britischen Architekten Baker, Kendall & Morris entworfen und ab dem Jahr 1919 -während des Ausbaus des Victoria-Beckens- errichtet. Es diente jahrzehntelang als Hauptquartier der legendären Reederei Union-Castle Mail Steamship Company, die den Post- und Passagierverkehr zwischen England und Südafrika dominierte. Heutzutage gibt es eine Mischnutzung – so befinden sich hierin das South African Maritime Museum, Büros, Gastronomie und Geschäfte.

Weiter geht es zum eher unscheinbaren altehrwürdigen Pierhead Building, welches heutzutage gleich zwei Spitzenrestaurants der gehobenen Gastronomie unter einem Dach vereint. Es ist eines der ältesten Gebäude und liegt im historischen Kern des Hafens (dem Pierhead District) direkt an der Kaimauer zum Alfred-Becken. Es wurde von der britischen Königin Victoria in Auftrag gegeben und im Jahr 1902 von Prinz Alfred erbaut. Das Gebäude entstand im Zuge der rasanten Hafenerweiterung um die Jahrhundertwende und wurde 1904 fertiggestellt. Es wurde als das neue Büro des Hafenkapitäns (Old Port Captain's Office) erbaut. Zuvor saß dieser im nahegelegenen roten Clock Tower, der jedoch für den wachsenden Hafenbetrieb schnell zu klein wurde. Ihn werden wir auf unserem weiteren Weg als nächstes sehen.


Schließlich erreichen wir den historischen Grain Silo im Silo District der V&A Waterfront. Hierbei handelt es sich um einen aus den 1920er-Jahren stammenden umgebauten 57 Meter hohen Getreidespeicher. Heute beinhaltet das vom britischen Architekturbüro Heatherwick Studio neu gestaltete markante Gebäude das The Silo Hotel, einem exklusiven 5-Sterne-Luxushotel, sowie das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz MOCAA). Es ist das größte Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst weltweit. Das Herzstück ist ein atemberaubendes, kathedralenartiges Atrium, das in Form eines einzelnen Getreidekorns direkt aus den alten Betonsilos herausgefräst wurde.

An der Cape Town Station angekommen gilt unser Interesse dem legendären Rovos Rail des gleichnamigen Bahnunternehmens, einem der wohl weltweit bekanntesten Luxusreisezüge. Sein Stil ist an die klassischen Luxuszüge der 1920er Jahre angelehnt. Wo die Versorgung mit Wasser und Kohle gesichert ist, werden Dampflokomotiven eingesetzt. Ansonsten kommen Elektro- oder Diesellokomotiven zum Einsatz. Der Rovos Rail fährt hauptsächlich auf verschiedenen Strecken in Südafrika. Außerhalb von Südafrika werden regelmäßig die Victoriafälle in Simbabwe und Daressalam in Tansania sowie Swakopmund in Namibia angefahren. Von Kapstadt führt regelmäßig eine 3-tägige Reise nach Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas. Mindestens einmal im Jahr verkehrt der Rovos Rail unter dem Produktnamen "Pride of Africa" aber auch von Kapstadt zum am Indischen Ozean gelegenen Daressalam in Tansania und durchquert dabei auf einer Strecke von ungefähr 6.000 km Südafrika, Botswana, Simbabwe und Sambia. Da der Zug als Hotelzug konzipiert ist, wird die Landschaft des südlichen Afrikas innerhalb von 14 Tagen in einem verhältnismäßig gemächlichen Tempo durchfahren. Teilweise wird auf Nachtfahrten verzichtet und es werden auch längere Aufenthalte an je nach Zuglauf variierenden touristisch interessanten Orten eingelegt.


Der "Pride of Africa" gilt als luxuriösester Zug der Welt. Dementsprechend wird hoher Wert auf die Kleidung der Fahrgäste gelegt. Freizeitbekleidung ist während des Tages akzeptiert, jedoch wird zum Abendessen förmliche Kleidung erwartet. Die Züge werden aus umgebauten historischen, luxussanierten südafrikanischen Reisezugwagen gebildet, die höchsten Komfort für die Fahrgäste bieten. Im Zug befinden sich einerseits Wagen mit je zwei oder drei circa 11 m² großen Suiten mit eigenem Bad/Dusche. In der höchsten Klasse gehört sogar ein Badezimmer mit Badewanne zu jeder der 16 m² großen Suiten. Des Weiteren werden Speisewagen, ein Salonwagen und ein Terrassen- oder Kanzelwagen am Zugschluss in die Züge eingestellt. Eine Reise mit diesem Zug steht auch noch auf unserer "Bucket List" - dann aber vermutlich für nur maximal drei Tage auf der von uns favorisierten Strecke von Pretoria zu den Victoriafällen in Simbabwe. Once in a Lifetime!


Schon vor unserer Reise war uns bekannt, dass heute leider kein Rovos Rail in Kapstadt abfährt. Schade! Aber wenigstens sehen wir das imposante Gebäude in der 1 Adderley Street gegenüber dem Bahnhof, in welchem sich die Rovos Rail Lounge befindet. Vor jeder Abfahrt werden hier alle Gäste registriert, geben ihr Hauptgepäck auf und können sich bei Erfrischungen und Getränken entspannen, bevor sie zum abfahrtsbereiten historischen Zug geleitet werden und die Reise beginnt.


Im Bahnhofsgebäude ist die erste Eisenbahnlokomotive Südafrikas ausgestellt. Diese Lok wurde im Jahr 1859 von dem schottischen Maschinenbau- und Schiffbauunternehmen Hawthorns of Leith gebaut und ab 1863 -nach der Fertigstellung der Gleisstrecke- von der Cape Town Railway and Dock Company zwischen Kapstadt und dem gut 60km entfernten Wellington eingesetzt. Später wurde sie von der Cape Government Railways übernommen und schließlich im Jahr 1874 anderweitig eingesetzt. Im Jahr 1916 kehrte sie zunächst für eine Ausstellung nach Kapstadt zurück und wurde dann im Jahr 1936 zum historischen Denkmal erklärt.


Der weitere Spaziergang führt uns durch das moderne Cape Town City Centre zurück Richtung V&A Waterfront.

Um kurz vor 16:00 finden wir uns dann am Heliport hinter der V&A Waterfront ein, denn wir haben bei NAC Helicopters einen Rundflug gebucht. Ein Muss für den ersten Besuch dieser wunderschönen Stadt! Nach einem freundlichen Empfang an der Rezeption werden wir gebeten es uns noch kurz in der Lounge bequem zu machen. Aus ihr heraus haben wir einen schönen Blick in den Hangar von NAC Helicopters. Nach einer kurzen Wartezeit werden wir abgeholt und über den roten Teppich durch den Hangar aufs Vorfeld zu unserem Hubschrauber geleitet.

Und dann stehen wir vor unserem Bell 407 mit dem Kennzeichen ZS-RLC. Dieser 7-sitzige Hubschrauber kann bis zu sechs Passagiere in einer maximalen Höhe von 5.700m mit einer maximalen Geschwindigkeit von 260km/h bis zu 577km weit befördern.

Nach dem Start in nördliche Richtung haben wir bereits einen beeindruckenden Blick auf den Teil von Kapstadt, der von dem Gebirgszug des Devil´s Peak (1.002 m), des Tafelberges (1.087 m), des Lion Head (669 m) und des Signal Hill (350 m) eingebettet wird. Nach einer 135°-Linkskurve fliegen wir in etwa 600 m Höhe in südwestliche Richtung entlang des imposanten Fußballstadions, passieren den Stadtteil Sea Point und erreichen schließlich den Stadtteil Camps Bay. Von hier oben aus können wir weiter in südlicher Richtung noch den Gebirgszug der Zwölf Apostel erkennen, deren Gipfel zwischen 780 m und 800 m hoch sind. An dieser Stelle drehen wir allerdings leider schon wieder um und fliegen in entgegengesetzter Richtung zurück zum Heliport bei der V&A Waterfront, wo wir nach etwa 20min wieder landen.

Nach dem wirklich beeindruckenden und empfehlenswerten Rundflug begegnet uns vor dem Heliport einer der seltenen Mercedes-Benz AMG GT C Roadster (Baureihe R190) in der Sonderlackierung designo selenitgrau magno. Dieser 557PS starke Wagen mit einem Hubraum von 3.982 cm³ wurde vom Frühjahr 2017 bis Ende 2021 gebaut und hatte seinerzeit einen Basislistenpreis von ca. 180.000 € zzgl. Sonderausstattung. Von Tempo 0 auf 100km/h beschleunigt der Wagen in 3,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 316km/h. Wer hat, der kann!

Bevor wir unsere Rückfahrt nach Paarl antreten (nein, nicht mit dem Mercedes-Benz AMG GT C Roadster, in welchem wir übermorgen nicht unser Gepäck zum Flughafen befördern könnten) ist es Zeit für ein kühles frischgezapftes Bier in der Ferrymans Irish Tavern. Am heutigen Samstag ist Spieltag der International Rugby Union. Rugby ist der Nationalsport Südafrikas. Am Abend findet um 18:40 das Spiel Irland gegen Südafrika statt. Hier, in der Irish Tavern, ist die Übertragung bestimmt ein Erlebnis. Als Vorgeschmack können wir die um 16:10 beginnende Live-Übertragung des Spiels Wales gegen Neuseeland miterleben. Auf verschiedensten Großbildfernsehern wird das Spiel gezeigt. Die Stimmung kocht. Inmitten der ausgelassenen Feierlaune fällt uns überraschend ein durchaus vertrauter Anblick auf: ein Pärchen, welches sich auf einem Tablet die Live-Übertragung des deutschen Bundesliga-Spiels Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart anschaut und nicht minder und lautstark mitfiebert als die versammelten Rugby-Fans. Quasi die kleine südafrikanische Dependance des gut 9.500km entfernten "Gelben Blocks" auf der Südtribüne im heimischen Westfalen-Stadion. Sport verbindet - über Kontinente!

Leider müssen wir uns bereits gegen 17:15 von dem pulsierenden Leben und der entspannten Wochenend-Atmosphäre in der V&A Waterfront verabschieden, denn es erwartet uns ja auch heute Abend wieder ein Dinner im Restaurant des Adara Palmiet Valley. Das gestrige Dinner war so wundervoll, dass wir für heute Abend bereits wieder einen Tisch reserviert haben. Pünktlich zum Sonnenuntergang und der Abenddämmerung erreichen wir wieder unser prächtiges Anwesen in Paarl.

Schnell unter die Dusche gesprungen, für das Dinner umgezogen und schon genießen wir den Sonnenuntergang und das abendliche "Alpenglühen" der Berglandschaft der Cape Winelands bei einer Flasche des hauseigenen Chenin Blanc als Sundowner und Aperitif auf der Terrasse unseres Zimmers. Wir könnten noch mehrere Tage im Adara Palmiet Valley verbringen - wohlgemerkt, ohne das Estate zu verlassen. Es ist hier so wunderschön! Genuss & Erholung pur!

Nach einem auch heute wieder exzellenten Dinner auf der Terrasse des Restaurants und einem letzten Glas Wein endet auch dieser zweite Abend voller Zufriedenheit und Demut. Wie schön, dass wir solche Reisen erleben und die unzähligen nachhaltig in Erinnerung bleibenden Momente in vollen Zügen genießen dürfen!

 


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