Sonntag, 23.11.2025


Kapstadt / Südafrika


Individuelles Nachprogramm Tag 3


Nach einem entspannten Frühstück auf der Terrasse des Restaurants wollen wir heute einen Ausflug zum Kap der guten Hoffnung unternehmen. Vom Adara Palmiet Valley bis zum Parkplatz am Kap sind es gut 120km bzw. gut 2:00 Fahrzeit. Nachdem wir erneut Kapstadt passiert haben, fahren wir entlang der Ostküste der Kap-Halbinsel Richtung Süden und kommen an den Stränden der hier an der False Bay gelegenen Orte Muizenberg, Fish Hoek und Simon´s Town vorbei. Trotz des herrlichen Wetters sind die Strände menschenleer, denn es weht ein kalter Wind und man kann die tiefen Temperaturen des klaren Wassers erahnen. Wir erinnern uns: die Antarktis ist von hier gerade einmal gut 3.800km entfernt.

Schließlich erreichen wir den circa 8.000 Hektar großen Table Mountain National Park. Als erstes fahren wir durch die karge steppenartige Landschaft dieses Naturreservats den an der Westküste der Kap-Halbinsel gelegenen Platboom Beach an. Hier trifft unberührte, raue Natur auf türkisfarbenes Wasser und die kraftvolle Brandung des Atlantiks.

Von hier aus sind es nur noch 2,5km zu dem wohl meistbesuchten und fotografierten Ort in Südafrika, den südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, dem Kap der guten Hoffnung.

Auf dem Felsen in der starken Brandung tummeln sich die Seelöwen. Die schroffe Küste und die brachiale Kraft des Atlantiks beeindrucken. Von hier aus gilt es nun das Kap zu erklimmen. Ein Naturpfad führt hinauf auf den Felsen.

Von hier oben aus blickt man nahezu exakt in östliche Richtung. Am Ende dieser Landzunge -in etwa 2km Entfernung- befindet sich das östliche Ende des Kaps. Dort steht auch das New Cape Point Light House, der "neue" in Betrieb befindliche Leuchtturm des Kaps. Außerdem erblickt man am Horizont in gut 32km Entfernung das südöstliche Ende der False Bay. In umgekehrter -also in nordwestlicher- Richtung blicken wir zurück auf den Platboom Beach und die Westküste des Table Mountain National Parks mit der rauen Atlantik-Küste.

Zurück am Auto setzen wir unsere Fahrt fort. Unser nächstes Ziel ist das knapp sechs Kilometer entfernte Cape Point Nature Reserve. Vom Parkplatz fährt eine Standseilbahn hinauf in Richtung des Old Cape Point Lighthouse. Die letzten Höhenmeter bis dorthin gilt es dann aber zu Fuß zurückzulegen. Oben angekommen werden wir mit den Worten "Da ist ja das Brautpaar!" begrüßt. Ein unerwartetes freudiges Wiedersehen mit einigen mitgereisten MS EUROPA-Passagieren, die ebenfalls noch einige individuelle Tage in Kapstadt verbringen! So klein ist die Welt!

Auf der Rückfahrt -noch im Table Mountain National Park- legen wir noch einen kurzen Stopp am Buffels Bay Beach an der Ostseite der Kap-Halbinsel ein. Hier sehen wir erstmals bewusst einen sogenannten Padrão (portugiesisch padrão), eine Stele mit einer Inschrift und einem krönenden Kreuz des Christusordens, welche die portugiesischen Seefahrer während ihrer Reisen an den Küsten der entdeckten Regionen aufstellten.

Nun zahlt sich aus, dass wir in den vergangenen Tagen auf der MS EUROPA die diversen Vorträge des landeskundlichen Experten Stephan Börries aufmerksam verfolgt haben, denn er berichtete mehrfach ausführlich von diesen Stelen.


Die Padrãos dienten dazu, jedem anzuzeigen, dass der betreffende Ort von Portugiesen erreicht worden war. Sie waren zugleich Besitzzeichen (Hoheitsrecht), Landmarken und Zeichen des Christentums. Sie wurden in Portugal hergestellt und von den portugiesischen Schiffen mitgeführt. Die Kapitäne waren bei der Aufstellung eines Padrãos für das Einsetzen des Datums und gegebenenfalls für eine Widmung verantwortlich.


Zunächst wurden an markanter Stelle der Landeplätze Holzkreuze aufgestellt. Doch die Korrosion und das tropische Klima sorgten für ihren schnellen Zerfall. Im Jahr 1483 hatte König Johann II. vorgeschrieben, dass die Kapitäne der Entdeckungsreisen an den Stellen der afrikanischen Küsten, wo sie landeten und das Land für ihn in Besitz nahmen, nicht mehr Holzkreuze, sondern stattdessen Steinkreuze aufrichten sollten. Der hierfür verarbeitete Marmor oder Kalkstein stammte aus dem westlich von Lissabon gelegenen Sintra.


Die steinernen Padrãos bestanden aus einer Säule und einem Steinkreuz auf der Spitze. Sie enthielten eine Inschrift - zunächst in portugiesischer Sprache, später auch auf Latein. Unterhalb des Kreuzes zeigten vier königliche Wappen in alle vier Himmelsrichtungen. Die Stelen waren etwa zwei Manneslängen (also gut drei Meter) hoch. und wogen bis zu 500kg. Das erste Steinkreuz stellte Diogo Cão während seiner ersten Reise am 23. April 1483 in der südlichen Kongomündung auf, das er dem Heiligen Georg widmete. João de Barros zufolge wurde der Kongo lange Zeit „Rio Padrão“ genannt. Ein weiterer Padrão folgte am 28. August 1483 am Cabo de Lobo im heutigen Angola, das Diogo Cão dem Heiligen Augustin widmete. Cão stellte insgesamt fünf Kreuze auf. Bis einschließlich Bartolomeu Dias, der am 6. Juni 1488 am hiesigen Kap der Guten Hoffnung einen weiteren Padrão setzte, stellten beide Seefahrer insgesamt acht Steinkreuze vom Kongo bis zum Großen Fischfluss in der heutigen südafrikanischen Provinz Ostkap auf.

Auf der weiteren Rückfahrt Richtung Paarl halten wir nochmals kurz am Fishermann´s Beach nahe dem Städtchen Simon´s Town - ebenfalls noch auf der Ostseite der Kap-Halbinsel. Einige Wagemutige sind hier sogar im kalten Wasser.

Heute Abend erwartet uns im Restaurant des Adara Palmiet Valley  das kulinarische Highlight, das traditionelle südafrikanische Braai - passend zu unserem letzten Abend in Südafrika. Prinzipiell ist das Braai nichts anderes als im deutschsprachigen Raum das Grillen oder im englischsprachigen Raum das BBQ. Doch in Südafrika hat das Braai einen deutlich höheren Stellenwert. Dieses Grillen gilt als gesellschaftliches Ereignis. Im Adara Palmiet Valley erwartet die Gäste jeden Sonntag ein Braai. Der Grill bzw. der Braaistand wird typischerweise mit Holz des Kameldornbaumes befeuert. Die Einheimischen bevorzugen diese Art der Befeuerung, weil sie länger andauert als Holzkohlenglut und so mehr Zeit in geselliger Runde verbracht werden kann. Traditionell wird aus diesem Grund keine fertige Holzkohle verwendet. Inzwischen gibt es aber diverse Unternehmen, die Holzkohle und Briketts für Braai anbieten.


Eine burische Braai-Spezialität ist Boerewors (Afrikaans für Bauernwurst), eine zur Schnecke geringelte Wurst mit Koriander. Das Grillen von Bratwürsten ist unüblich, meist wird der Grill mit Rind, Lamm und Geflügel belegt. Darüber hinaus sind aber auch Kudu-, Springbock- und Straußenfleisch gängiges Grillgut.

Ein wiederum fulminanter kulinarischer Abend neigt sich mit dem letzten Gläschen Sauvignon Blanc aus dem Adara-eigenen Weingut dem Ende entgegen. Das war unser letztes Dinner unter dem frühsommerlichen südafrikanischen Abend- und Nachthimmel auf dieser Reise. Wehmut kommt auf. Südafrika, Kapstadt, die Cape Winelands und das Adara Palmiet Valley haben uns verzaubert und begeistert. Wir werden wiederkommen! Außerdem steht ja auch noch der Rovos Rail auf unserer Bucket List. Doch nun müssen wir unsere Koffer packen und schließlich ins Bett, denn morgen müssen wir in aller Frühe endgültig Abschied nehmen!



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