Dienstag, 22.09.2026
Les Andelys
Liegezeit: 11:30 - 17:00
Wir wachen gegen 08:00 auf. Der erste Moment des Tages gehört dem Ausblick aus der geöffneten Balkontür unserer Kabine. Das Wetter ist traumhaft - wolkenloser Himmel, die Sonne ist gerade erst aufgegangen, die Luft noch frisch und die Flusslandschaft in leichtem Nebel eingebettet. Einfach idyllisch - so sieht Erholung aus!
© Excellence Cruises
Nach dem heutigen Frühstück - wieder zurück auf unserer Kabine - erreichen wir um 09:30 die Normandie. Wir passieren soeben die Stadt Vernon und haben vom französischen Balkon unserer Kabine einen schönen Blick auf die frühere Wassermühle, welche Claude Monet im Jahr 1883 in seinem Gemälde "Häuser auf der alten Brücke in Vernon" verewigte.
Um 10:00 findet in der Riverlounge wieder ein "Bord Talk" mit Kreuzfahrtleiter Oliver statt. Heute möchte er uns zahlreiche Details zur Seine und die Normandie vermitteln. So erfahren wir unter anderem, dass wir bis zu dem "Wendepunkt" unserer Reise auf der Seine in Caudebec-en-Caux insgesamt sechs Schleusen passieren werden - auf der Rückfahrt nach Paris dann nochmals in umgekehrter Reihenfolge. Vier Schleusen haben wir bereits - unbemerkt über Nacht - hinter uns gebracht. Die fünfte Schleuse, die Écluse Notre Dame de la Garenne, erreichen wir kurz vor der Mittagszeit bevor wir in Les Andelys ankommen. Sie befindet sich etwa 40,5 Kilometer hinter der vierten Schleuse, Écluse de Mericourt. Sie hat eine Stauhöhe von ungefähr 4 Meter. Ihr angegliert ist ein Wasserkraftwerk, welches mit vier Turbinen eine Leistung von 8 Megawatt produziert. Unsere sechste und letzte Schleuse, die Écluse d´Amfreville, wird dann auch schon am späten Abend erreicht werden. Hier werden wir dann nochmals um etwa 4m bis 5,5m zu Tal geschleust. Ab dann werden wir auf der gezeitenabhängigen Seine unterwegs sein. Der Tidenhub beträgt zunächst etwa 3m bis 3,5m - flussabwärts weiter zunehmend.
Nicht minder interessant sind Olivers Ausführungen zur Normandie. So erfahren wir zunächst, dass die Normandie nach den Normannen bzw. "Nordmännern" (also den Wikingern) benannt ist. Der Name leitet sich vom lateinischen Normannia bzw. Northmannia ab, was „Land der Nordmänner“ bedeutet.
Im Jahr 911 übergab der westfränkische König Karl der III. (Karl der Einfältige) dem Wikingerführer Rollo im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte ein Gebiet an der Seine rund um Rouen, um die ständigen Überfälle der Wikinger zu stoppen. Aus den skandinavischen Siedlern (den dänischen und norwegischen Wikingern) und der einheimischen fränkischen Bevölkerung entwickelte sich im Laufe des 10. Jahrhunderts das Volk der Normannen, nach dem in Folge später dann das neu gegründete Herzogtum Normandie benannt wurde. Im Jahr 1066 erobert der britische Herzog Wilhelm II. (Wilhelm der Eroberer) die Angelsachsen in der Schlacht bei Hastings. Die Normandie fiel an die britische Krone. Von 1189 bis 1199 war Richard Löwenherz als König von England gleichzeitig auch Herzog der Normandie. Dabei konzentrierte er sich hauptsächlich auf den Schutz seiner französischen Heimat gegen den französischen König Philipp II. August. Um die Normandie und die Hauptstadt Rouen vor den Franzosen zu schützen, baute Richard von 1196 bis 1198 in Rekordzeit die mächtige Festung Château Gaillard oberhalb der Seine bei Les Andelys. Sie galt als uneinnehmbar und war ein Meisterwerk der damaligen Militärarchitektur. Wir werden Sie heute Nachmittag erkunden. Richard starb im Jahr 1199 und sein Bruder Johann Ohneland übernahm die Krone. Im Jahr 1204 erobert der französische König Philipp II. das Festland der Normandie zurück. Das Herzogtum Normandie wurde Teil des französischen Kronlandes. Nur die Kanalinseln (Jersey und Guernsey) blieben - bis heute - im Besitz der britischen Krone. Im Jahr 1259 verzichtete der englische König durch den Vertrag von Paris zwar offiziell auf den Titel „Herzog der Normandie“, behielt aber den rechtmäßigen Besitz der Kanalinseln. Auf diesen wird der britische Monarch aus dieser historischer Tradition heraus bis heute inoffiziell und feierlich als „Herzog der Normandie“ (Duke of Normandy oder auf Normannisch Notre Duc) angesehen und betitelt. Bei offiziellen Staatsbanketten auf den Kanalinseln wird traditionell auf den König mit den Worten angestoßen: „Le Roi, notre Duc“ („Der König, unser Herzog“). Während des hunderjärigen Krieges im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Region zum Hauptschlachtfeld zwischen England und Frankreich. Sie wechselte mehrfach den Besitzer und wurde im Jahr 1450 endgültig französisch.
Ausflüge
Vormittags
Der Garten von Claude Monet in Giverny mit dem berühmten Seerosenteich. Dauer: circa 3 Stunden
Nirgendwo sei das Licht schöner als in seinem Dorf Giverny, sagte der Meister einst. Die Gärten Claude Monets (1840-1926), die er stets liebevoll umsorgte, haben nichts von ihrem Zauber verloren. Farben und Düfte wechseln im Spiel der Jahreszeiten. Im Wohnhaus finden sich sogar Monets japanische Holzschnitte und seine wertvollen Fayencen. Der Garten mit dem weltberühmten Teich, die japanische Brücke, der Blauregen, die Azaleen und Seerosen – all das hält Monets Werk lebendig. Bilder, wie «Le Pont Japonnais» (1899) oder «Nymphéas» (1914/1917) gelten als Meilensteine der Malerei. Im Musée des Impressionnismes nebenan können sie Originalgemälde grosser Impressionisten bewundern. Es war die stimmungsvolle Darstellung des flüchtigen Moments, die all diese Künstler faszinierte. Das Museum gilt als Internationales Zentrum der Stilrichtung.
Nachmittags
Künstlerdorf Auvers-sur-Oise – Vincent van Gogh, letzte Tage des Genies. Dauer: circa 5 Stunden
Vor den Toren von Paris liegt das Dorf Auvers-sur-Oise. Im Herzen des ruhigen und malerischen Oise-Tals liessen sich Künstler wie Van Gogh, Cézanne, Corot und Daubigny zu ihren Werken inspirieren – von deren späterem Ruhm sie wohl nur träumen konnten. Begeben Sie sich auf die – zum Teil etwas düsteren – Spuren der Impressionisten. Nach einem Fotostopp am Schloss Auvers und Verweilen in den Gärten besuchen Sie das Dorf Auvers. Manch Kunstkenner wird die Apsis der Kirche oder die Treppe wiedererkennen, die von Van Gogh auf Leinwand verewigt wurden. Auch das Haus des Gehängten von Cézanne erlangte Berühmtheit. Zu Fuss geht es zur Auberge Ravoux, wo ein Apéro auf Sie wartet. In dieser Pension verbrachte Van Gogh die letzten zwei Monate seines Lebens. Auf dem Friedhof von Auvers ruhen Vincent Van Gogh und sein Bruder Théo.
Das Château Gaillard
Der König von England und Herzog der Normandie, Richard Löwenherz, lies das Château Gaillard von 1196 bis 1198 in Rekordzeit erbauen. Die Festung orientierte sich an die Kreuzfahrerburgen Palästinas, welche Richard im Heiligen Land kennengelernt hatte. Er nutzte beim Bau modernste Erkenntnisse aus den Kreuzzügen. Die Burg besaß ein innovatives, gestaffeltes Verteidigungssystem mit drei hintereinanderliegenden Vorburgen. Das Herzstück (die Kernburg) hat eine einzigartige, wellenförmige Ringmauer. Diese Bauweise verhinderte tote Winkel und machte es Angreifern unmöglich, sich im Schutz der Mauer zu verstecken. Zuem lenkte die runde Form Steingeschosse von Katapulten besser ab. Das Château Gaillard gehört zu den bedeutendsten Burgen des Mittelalters.
Nach der letzten Belagerung des Châteaus durch Heinrich von Navarra, den späteren König Heinrich iV., wurde angeordnet, die Festung zu schleifen und sie den Mönchen von Les Andelys zu übergeben. Der Abriss wurde 1611 unterbrochen, dann aber unter Kardinal Richelieu (Armand-Jean du Plessis) wieder aufgenommen.
Am späten Abend erreichen wir die inzwischen sechste und letzte Schleuse, die Écluse d´Amfreville. Sie befindet sich etwa 41 Kilometer hinter der Écluse Notre Dame de la Garenne, welche wir heute am späten Vormittag passiert haben. Hier werden wir nun nochmals um etwa 4m bis 5,5m zu Tal geschleust. Ab jetzt werden wir auf der gezeitenabhängigen Seine unterwegs sein. Ab Rouen, welches nur knapp 40,5 Kilometer entfernt ist, werden uns auf dem weiteren noch circa 80 Kilometer langen Weg Richtung Ärmelkanal auch Hochseeschiffe begegnen, da die natürliche Fahrrinne ab hier ausreichend tief ist und die Seine immer breiter wird. Der Tidenhub beträgt in dieser Gegend etwa 3m bis 3,5m. Flussabwärts wird er aber weiter zunehmen. An unserem morgigen Liegeplatz in Caudebec-en-Caux wird der Tidenhub bereits etwa 3,5m bis 4,5m betragen - was sich anlässlich unserer 2-tägigen Liegezeit am Anleger dann recht schön beobachten lassen wird.
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