ODESSA
geplant als PRINZ HEINRIK AF DENMARK, ex COPENHAGEN, später SYDNEY / IMO 7301221
Status: im Jahr 2007 im indischen Alang abgewrackt
Einsatz auf dem deutschsprachigen Markt:
1982 - 1995 Transocean Tours, Bremen
Historie
Die dänische A/S Nordline (Danish Cruise Line) aus Kopenhagen beauftragte Ende der 1960er Jahre die britische Werft Vickers Limited Shipbuilding Group in Barrow-in-Furness mit dem Bau eines neuen Passagierschiffes namens PRINZ HEINRIK AF DENMARK. Der Rumpf und die Aufbauten waren bereits fertiggestellt, da kündigte die Werft im November 1970 plötzlich erhebliche Mehrkosten an, aufgrund derer die A/S Nordline das Schiff nicht mehr abnehmen wollte. Daraufhin wurden die Arbeiten im Februar 1971 zunächst unterbrochen. Im September 1971 wurde dann eine Einigung zwischen dem Unternehmen und der Werft erzielt und der Weiterbau wurde mit dem neuen Schiffsnamen COPENHAGEN wieder aufgenommen. Das neue Konzept sah vor, dass die A/S Nordline das Schiff in Zusammenarbeit mit der französischen Crioisières Paquet betreiben wollte.
Der Stapellauf des Schiffes erfolgte unter der Baunummer 1085 am 20.12.1972. Am 27.03.1973 wurde der Kasko zur Fertigstellung zur Werft Swan Hunter Shipbuilders Ltd in Newcastle überführt.
Im März 1974 fanden dann die ersten Probefahrten statt. Kurz darauf, im April 1974, noch vor der offiziellen Übergabe an den neuen Eigner, bot die A/S Nordline das Schiff aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten infolge der zwischenzeitlichen Beendigung der Zusammenarbeit mit Crioisières Paquet zum Verkauf an.
Am 10.05.1974 wurde das Schiff offiziell von der Werft fertiggestellt, aufgelegt und zum Verkauf angeboten.
Erst ein Jahr später, im Mai 1975, erwarb die Black Sea Shipping Co. (BLASCO) aus Odessa in der damaligen Sowjetunion das Schiff und benannte es in ODESSA um.
Am 18.07.1975 wurden regelmäßige Fahrten zwischen dem damaligen Leningrad (dem heutigen St. Petersburg) und dem britischen Liverpool aufgenommen. In den Wintermonaten waren Kreuzfahrten in der Karibik für den US-Markt vorgesehen.
Im Juli und August 1978 wurde die ODESSA auf regelmäßigen Fahrten zwischen Leningrad und Stockholm eingesetzt, um dort die zwischenzeitlich havarierte MIKHAIL KALININ (Baujahr 1958) zu ersetzen.
Am 01.01.1982 wurde der Kreuzfahrtbetrieb für den US-amerikanischen Markt aufgrund eines Erlasses des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan eingestellt, da sowjetischen Schiffen mit Beginn dieses Datums die Stationierung in US-amerikanischen Häfen untersagt war.
Und so begannen im Laufe des Jahres 1982 diverse Chartereinsätze, so unter anderem auch für den Bremer Veranstalter Transocean Tours, dessen langjähriges Flaggschiff die ODESSA infolge wurde.
Um den Komfort an Bord zu erhöhen wurde die ursprüngliche maximale Passagierkapazität im Jahr 1984 durch massive Umbaumaßnahmen von 590 auf nur noch 560 reduziert. Den Gästen standen nun 280 Kabinen zur Verfügung. Die Besatzung bestand aus etwa 260 Personen.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der Ukraine erhielt die ODESSA im Jahr 1991 die Flagge der Ukraine.
Am 12.04.1995 wurde das Schiff aufgrund finanzieller Außenstände der BLASCO im italienischen Neapel arretiert. Damit begann das Ende des Schiffes. Die ODESSA blieb unter dem Kommando von Kapitän Vladimir Lobanov und 10 weiteren Besatzungsmitgliedern bis ins Jahr 2001 in Neapel arretiert.
Im Jahr 1999 erfolgte ein erster Verkauf an die Golden Globe Shipping aus Kingstown in St. Vincent and the Grenadines. Daraufhin erhielt das Schiff den offiziellen Namen ODESSA I.
Am 09.04.2002 gelang es dem luxemburgischen Unternehmen DeMalo & Partners (einem Konsortium aus verschiedenen Investoren) das Schiff für nur 1,24 Mio. Euro zzgl. einer finanziellen Auslöse für die Crew in Höhe von 500.000,- Euro zu erwerben. Die eingetragene Eigentümergesellschaft war nun die Bowline S.A. mit Sitz in Panama. Das Schiff wurde daraufhin wieder offiziell in ODESSA zurückbenannt.
In Folge überführte man das Schiff zurück in den gleichnamigen ukrainischen Heimathafen Odessa. Nachdem das Schiff in seiner alten Heimatstadt zunächst mit großen Ehren am dortigen Kreuzfahrtterminal festmachte, verholte es anschließend in das Dock einer Werft, wo unter dem Kommando von Kapitän Gennadi Zaveryukha umfassende Renovierungsarbeiten begannen.
Am 24.10. 2005 wurde das Schiff einmal mehr umgeflaggt. Es erhielt nun die komorische Flagge und neuer Heimathafen war Moroni auf den Komoren.
Unglückliche Umstände führten dazu, dass das Schiff (zusammen mit dem damaligen Kreuzfahrtschiff TARAS SHEVCHENKO (Baujahr 1966; IMO 6508195) letztendlich im Jahr 2006 an Abwracker in Chittagong in Bangladesch verkauft werden musste.
Im Januar 2007 verließ die ODESSA deshalb den ukrainischen Heimathafen mit dem offiziellen Überführungsnamen SYDNEY und nahm durch den Suezkanal Kurs auf Chittagong in Bangladesch.
Auf dem Weg dorthin wurde das Schiff dann kurzfristig und überraschend an indische Abwracker weiterveräußert und nahm kurzerhand Kurs auf das indische Alang.
Am 19.01.2007 traf die SYDNEY letztendlich vor Alang ein und wurde dort kurze Zeit später auf den Strand gesetzt und in den darauffolgenden Monaten abgewrackt.
Das Ende eines einst sehr beliebten Schiffes auf dem deutschsprachigen Markt der 1980er und 1990er Jahre …!
Technische Daten
| Länge: | 136,30m |
|---|---|
| Breite: | 21,49m |
| Tiefgang: | ca. 5,80m |
| Vermessung: | 13.758 BRT |
| Passagiere: | 560 |
| Crew: | 260 |
| Int-Registernummer: | IMO 7301221 |

